Hier bin ich. Und genau das tue ich. Ich laufe!
Mein Ziel für 2008 waren 4 Marathonläufe, da ich nach Berlin erst drei vollendet hatte, musste ein zusätzlicher Lauf gefunden werden - Remscheid kam mir sofort in den Sinn, denn hier hatte ich 2005 meinen ersten Halbmarathon absolviert, und hier sollte es jetzt mein 10. Marathon werden.
Berlin, am 28.9.08, lief hervorragend, ich bin ja jetzt Weltrekordler, was kann mir also passieren, die 42km im Remscheid laufe ich locker in 4:30h runter, so meine Vorstellungen.
Zweimal bin ich schon dort gelaufen, allerdings nur den Halben, die kurze Strecke für Spaßläufer, halbe Strecke = halber Spaß, und wer gibt sich schon mit der Hälfte zufrieden.
8:30h war Start, zum Glück ist der Remscheidtermin immer der Tag, an dem die Uhr umgestellt wird, das kommt einem da sehr entgegen. Vom Start ging es gleich hoch Richtung Lennep, auf hoch folgt runter, zumindest im ersten Teil des Laufes. Es ging also runter durch Lennep, vorbei am Röntgenmuseum wieder hoch Richtung Start auf den Röntgenweg.
Toll sieht das aus, wenn man die lange Schlange der Läufer sieht, die sich über die schmalen Wege bewegen. Ohne Probleme ging es locker bis Km 19, da kam die erste richtige Steigung, da war Schluss mit laufen, gehend, kletternd, ging es hoch. Kurz vor dem Gipfel saß ein Mann am Wegesrand, sonntagsmäßig gekleidet, saß er auf einem Klappstuhl vor einem kleinem Tisch mit einem Glas Sekt in der Hand. Er freute sich sichtlich an den Gesichtern der Läufer (Geher) die an ihm vorbei wackelten. „Ihr habt Spaß, Ihr seht gut aus, Es geht euch gut, Ihr habt viel Kraft“ waren sein aufmunternden Worte, als er jedem zuprostete.
Ich wusste, ab hier ist bis zum HM-Ziel nicht mehr viel zu erwarten, das gröbste ist geschafft, so kamen wir locker an, eine kurze Verabschiedung von Brigitte und Kerstin und auf ging es ins Ungewisse.
Der erste Km der 2. Hälfte war ganz flach durch ein Dorf. Kaum waren wir jenseits menschlicher Zivilisation, war auch Schluss mit lustig, es ging hoch, saumäßig hoch. Die Ultras (es gab da viele Menschen, die sind 64km gelaufen) nahmen jede Steigung im Gehen. Ich lief erstmal weiter, was aber nicht viel schneller war als gehen, aber irgendwann schloss ich mich der Wandergruppe an. Die meistgestellte Frage unter den Läufern war jetzt „läufst du lang oder kurz?“ Kurz war der Marathon! Auffallend war das Verhalten an den Verpflegungsstationen, so was war mir neu. Kam eine Station in Sicht, wurden die letzten Meter bis zu den Tischen gegangen, dann wurde ganz gemütlich im stehen etwas getrunken, was gegessen, ein Pläuschchen mit den anderen Essenteilnehmern und der Ausgabe gehalten, anschließend verließ man gehend die gastliche Stätte und viel erst später in einen leichten Trab.
Die Berge, der Urlaub zwei Wochen vorher, was auch immer, raubten mir langsam die Kraft, bergab war noch schlimmer als bergauf, eigentlich war alles schlimm und es wurde schlimmer. Meine Beine schmerzten, wie ich es noch nicht erlebt hatte, als wir eine besonders steile Strecke runter mussten, immer schön Fuß vor Fuß, da erlebte ich Schmerz, wie ich ihn noch nicht gekannt habe in meinen Beinen. „gleich knallst du den Berg runter“ war so meine Vorstellung, denn mir war so, als hätte ich gar keine Kraft mehr meinen Körper abzufangen, aber irgendwann waren wir alle unten und quälten uns weiter.
Ziel für die „weichen“ nur Marathonläufer, war ein Freibad. Ich konnte kein Freibad sehen, ich sah nur Berge und Waldwege, die nur hoch, selten runter, gingen. KM 40, mitten im Wald, „so ein Freibad muss doch auf einer freien Fläche sein, die Sonne soll da doch zu sehen sein“, dachte ich mir. KM 41, entgegen allen anderen Läufen fühlten sich meine Beine an, wie sie wohl nach einem Marathon anfühlen sollten, was bin ich denn sonst immer gelaufen? Ich war, kurz gesagt, einfach fertig, fix und fertig!
Kurz vor KM 42 wurde das Gelände etwas freier, man konnte erkennen, da ist das Schwimmbad, da habe ich das Ziel erreicht. Natürlich ging es noch mal kurz hoch, zugegeben - ich bin wieder gegangen, dann hatte ich endlich festen, laubfreien Boden unter meinen Füßen.
Jetzt noch mal zusammenreißen und so tun, als käme man lächelnd ins Ziel, bin ich ja auch, wie ihr unten sehen könnt.
Meine Hochachtung vor allen, die hier 64km laufen. Vielleicht wäre es mir mit einer besseren Vorbereitung besser ergangen, aber wie heißt es so schön, der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt.
Jetzt habe ich 10 Marathonläufe auf meinem Laufkonto und ich habe noch viel vor... so als Weltrekordler :-))
26.10.2008, Röntgenlauf Remscheid