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Hier bin ich. Und genau das tue ich. Ich laufe!

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5 Wochen – 3 Marathonläufe oder drei sind einer zu viel

 

Irgendwie hat sich die Idee gleich drei Frühjahrsläufe zu machen selbstständig entwickelt. Irgendjemand sprach von Wien, OK – wir sind dabei, dann ist da natürlich der Ruhrmarathon, sozusagen unser Hausmarathon, den muss man natürlich auch laufen, und da sich der PVT schwerpunktmäßig auf den Rhein Ruhr Marathon in Duisburg vorbereitet hat, kam so noch ein dritter hinzu. Mal sehen, wie sich das anfühlt beim 3. Marathon.

 

Wien, 27.4.2008

 

Strahlender Sonnenschein, so mag ich das Laufen. Dieser Run würde der Einfachste werden, wenn da nicht meine Atemprobleme wären, die mich das gesamte Training begleitet haben. Irgendwas löst eine allergische Reaktion aus bei mir, Asthma von einer Sorte, die ich nicht kannte, denn sogar mein Spray hielt nicht lange vor. Manche Läufe habe ich, obwohl wir ganz langsam gelaufen sind, fast in einer Sauerstoffschuld gelaufen, war manchmal echte Quälerei.

Am Start habe vorsorglich das Asthmaspray benutzt, und auf ging es. Erwähnenswert ist der Wienlauf nicht, 10km sind langweilig im Prater, die Zuschauer sind halt Österreicher, nur der Zieleinlauf, der ist Klasse.

Meine Probleme verließen mich nicht beim Lauf, schon bei Halbmarathon war die Wirkung des Sprays am Ende, bei Km 30 musste ich nochmal nachlegen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass ich bald keine Kraft mehr zum Atmen hatte, ich war echt froh, als es vorbei war. Trotz der widrigen Umstände habe ich meine Liebste zu einer neuen Bestzeit gezogen. Die Muskeln waren ja OK, wie ein Motor mit einem verstopften Vergaser kam ich mir vor.

Nach dem Lauf war ich zwar müde, das muss ja auch so sein, aber die Beine haben sich schnell wieder erholt. Eine Woche Ruhe, dann ging es weiter im Training.

 

In dieser Woche habe ich durch Zufall den Auslöser meiner Allergie gefunden, ich hatte seit Januar immer was zusätzlich zum Frühstück getrunken, man will sich ja was Gutes tun. In Wien gab es das nicht, ich hatte auch nichts mehr auf Vorrat. Zwei Tage nach dem Marathon merkte ich, das es mir deutlich besser ging, ich hatte keine Atembeschwerden mehr, ein Test auf dem Fahrrad verlief auch ohne Vorkommnisse, so dass ich es gewagt habe, ohne Spray zu laufen. Es hat geklappt, die Leitung ist wieder frei, ein tolles Gefühl zu laufen und dabei Luft zu bekommen.

 

Ruhrmarathon, 18.5.2008

 

Unser Hausmarathon, auch diesen Lauf machen wir natürlich gemeinsam. Wetter war wieder gut, kühler als in Wien aber trocken, was das Wichtigste ist.

Wir sind vom Start weg flott losgelaufen, alles passte gut zusammen. Immer noch kann ich mich freuen, dass ich meine Muskeln mit Sauerstoff versorgen kann, dass ich reden kann beim Laufen. Halbmarathon erreichten wir in 2:07h, alles System sind OK. Man merkt zwar, dass da mal was war, aber es hielt sich in Grenzen. Der Ruhrmarathon hat, was die Beteiligung der Läufer angeht, schwer nachgelassen, so wenig waren noch nie am Start. Hut ab vor dem phantastischen Publikum, da war richtig Stimmung an der Strecke. Leider war mit der Stimmung nach Herne Schluss, die Halbmarathonies waren weg, und es zog sich endlos lang Richtung Gelsenkirchen. Ab Km 30 musste meine Liebste dem Tempo und dem Lauf in Wien, Tribut zollen, es ging nicht mehr so glatt voran. Auch meine Beine wurden müder ich merkte schon deutlich meine Oberschenkel. Die Berge in Essen trugen das ihre dazu bei. Ich dachte während des Laufes schon an Duisburg, da muss ich alleine laufen. Wie sollte ich es angehen, langsam in der ersten Hälfte, dann wäre ich aber länger unterwegs sein. Ich habe mich entschieden, dass ich mich mutig an den 4 Std Pacemaker hängen werde, mal sehen, was passiert.

Wir erreichten das Ziel in Essen sogar noch eine Minute schneller, als in Wien, und das bei wesentlich schwererer Strecke. Die Beine brannten, aber wir waren glücklich im Ziel.

Nach dem Marathon ist vor dem Marathon war jetzt die Devise, also ging es am Montag gleich wieder für 5km auf die Piste. Komisch fühlten sich die Beine an, wie Holzbeine, aber mit jedem Km wurden sie lockerer. Am 21.5. bin ich wieder ins normale Training eingestiegen, keine Problem, sogar Tempolauf war möglich (ich bekomme ja jetzt Luft beim Laufen). Einen Lauf über 2 Stunden habe ich problemlos überstanden, die Muskeln sind OK, ich freu mich auf den Run, zum 3. Mal in Duisburg laufen.

28.Mai. letzer Trainingslauf, es ist total schwül, 28 Grad. Eigentlich bin ich Freund der Wärme, aber heute einen Marathon zu laufen, das wäre eine große Herausforderung, ob ich der gewachsen wäre?

29. Mai da ich alleine laufen werde, wird mich mein IPhone begleiten, erstens bin ich so erreichbar, zweitens habe ich Musik beim Laufen. Heute habe ich 147 Songs aufgespielt, man weiß ja nicht, wie lange man unterwegs ist

 

Rhein Ruhr Marathon Duisburg, 1.6.2008

 

Wunderbares Wetter an diesem Sonntag, warm soll es werden, aber ich bin ja ein Kind der Sonne. Mit zwei Bussen fahren wir um 7h los nach Duisburg, beste Stimmung schon unterwegs.

Start ist um 9:20h, in der engen Straße neben dem Stadion drängen sich die Läufer, ich natürlich hinter den 4 Std Pacemakern. Nach einen unspektakulären Startschuss geht es los, erstaunlicherweise kann man sofort ziemlich gut laufen, wir gehen fast von null auf Tempo 5:40 Min/km. Meine Musik ist dufte, die Sonne scheint, alles Systeme auf go, was will man mehr. Locker trabe ich direkt hinter den Pacemakern her, bin, ohne es zu wollen, nach 3km neben ihnen und ganz von alleine setze ich mich ab Km 4 von ihnen ab. Lauftempo jetzt unter 5:30, alles in Ordnung. Es geht über die Ruhr, Zuschauer sind hier wenig, so ist halt Duisburg, super Lauf aber leider sehr wenig Stimmung. Km 10 wird in 51 Min passiert, ich bin auf einem guten Weg, so kann es bleiben.

Irgendwie merke ich ein leichtes Ziehen in der linken Wade, aber das wird ignoriert, ist ja nur leicht. Die Strecke nähert sich der ersten Rheinbrücke, die Friedrich Ebert Brücke, für mich die schönste auf der Strecke, leicht bergan geht es die Brücke hinauf, wie das halt so ist, und auf der anderen Seite wieder herunter. Km 18 zeit meine Polar. Ganz plötzlich fährt mir jemand mit einem glühenden, rostigen, stumpfen Messer in die linke Wade, „was war das? Geht bestimmt gleich wieder weg?“ 4 Schritte weiter, das Messer steckt immer noch drin, nach 10 Schritten stoppt die Rennmaschine. Selbst beim Gehen der gleiche Schmerz, ich versuche vorsichtig zu dehnen am Bordstein und laufe wieder an. Jedes Aufsetzen des linken Beines wird von der Wade lautstark angekündigt, nicht zum ersten mal kommt mir ein „Sch…“ über die Lippen, aber es muss doch weiter gehen, ich will die dritte Medaille und das schwarze Shirt haben!

Halbmarathon erreicht, 1:51h mit kaputtem Antriebsstrang, nicht schlecht aber nicht mehr ausbaufähig, das Messer beginnt sich zu drehen, ich muss gehen, was aber auch keine Erleichterung gibt. Noch liegt viel Strecke vor mir, im Moment weiß ich nicht, wie ich die bewältigen soll. Bei Km 31 komme ich am Sportpark vorbei, dort wird meine Kerstin stehen, bis dahin muss ich kommen.

ich laufe wieder an, versuche irgendwie eine Schonhaltung zu bekommen, es geht auch leidlich. An der nächsten Wasserstelle kippe ich mir einen Becher über die Wade zur Kühlung, das Anlaufen wird schlimmer. Warum auch immer, steigt jetzt auch mein Puls auf 152, einen Wert, den ich sonst bei extremen Tempoläufen kurz mal habe, diesen Wert kennt mein Körper kaum. Bei Km 25 stehen Sanitäter, ich lass mich behandeln und rufe meine Liebsten an, schließlich bin ich schon weit hinter meiner Zeit, meine Pacemaker sind schon lange an mir vorbei gezogen, die haben nicht mal Hallo gesagt… Mit einem schicken weißen Verband, der aber nur signalisiert, da ist was, geholfen hat da gar nichts, treibe ich mich weiter nach vorn, komme sogar kurz wieder auf 6Min Tempo aber immer mehr macht jetzt mein Kopf nicht mehr mit, der sagt wiederrum meinem Körper, dass es nicht weiter geht, kurz gesagt, große mechanische Probleme im Antriebstrang und die Software spinnt auch. Ich rufe wieder Kerstin an, ich erkläre den Lauf für beendet, dass mir sowas mal passieren würde, ich, der sonst locker die 42km abspult. Bis zu meiner Liebsten ist es nur noch einen Km, ich gehe, ich gehe so, als hätte ich einen Gipsfuß, Abrollen des Fußes ist nicht möglich, ich drehe ihn so seitlich weg, damit ja nicht die Wade gestreckt wird.

Endlich sehe ich meine Liebste, es ist geschafft, jetzt nur noch den Weg zum Stadion. Irgendwie fühle ich mich erleichtert, die Hardware hat über die Software gesiegt. Unterwegs kommen mir die ersten Finisher entgegen, ich ernte aufmunternde Worte, werde getröstet. Als wir unseren Bus erreichten, wollten natürlich alle wissen, was los ist, mein weißer Verband zeigt ja auch deutlich meine Missstände. Ich erzählte in 10 Min 20 mal meine Geschichte, nahm jede Menge Frauen in den Arm.

Es ist schade, das mir das passieren musste, aber Duisburg ist ein Ort wo, der Veranstalter möge mir verzeihen, so etwas nicht schlimm ist, es gibt andere Orte, Orte an denen ich nicht aufgegeben hätte, Orte an denen ich mich geärgert hätte. Jetzt habe ich halt nur 2 Medaillen bekommen, dabei wollten wir ein Foto machen mit den drei, ich hatte sie extra mitgenommen.

Dass es so ausging hätte ich nie erwartet, mir passiert sowas nicht, was sind schon 42km? Jetzt bekomme ich vielleicht wieder Respekt vor der Strecke. Ich war auch nicht traurig, über diesen Ausgang, wir sind beide noch ins Stadion gegangen und haben eine Weile dort gesessen, den Finishern zugeschaug, ein Bier tat gut jetzt.

4 Std 30Min nach dem Start stand ich sogar wieder an der Strecke, direkt vor dem Stadion und wartete auf einen meiner „Schützlinge“, Ansgar lief seinen ersten Marathon. 4:45h hatte er sich gewünscht, hat nicht ganz geklappt, aber was solls, er ist angekommen, er ist glücklich angekommen, wir haben ihn gebührend empfangen. Gut hast du das gemacht, du bist gelaufen, ich bin stolz auf dich, ich freue mich für dich, dein Lauf hat mich für alles entschädigt

Diagnose vom Doc: ca. 2cm langer Muskelriss quer in der Wade, 3 Wochen nicht laufen.

Danke an alle für eure vielen guten Wünsche, eure aufmunternden Worte. Es ist schön, so tolle Menschen zu kennen.

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